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Rote Grütze

Rote Grütze

Rote Grütze wurde früher nicht als Dessert, sondern als hochsommerliche Hauptmahlzeit zubereitet. Zum Andicken verwendete man Buchweizen- oder Hafergrütze, damit es besonders satt machte. Heute wird Rote Grütze mit Vorliebe in ganz Norddeutschland und fast immer als Nachspeise gegessen. Hauptbestandteil sind rote Früchte, wie z. B. Johannisbeeren, Erdbeeren, Himbeeren und Kirschen.

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Historische Quelle:

„Rothe Grütze. Zu dieser Grütze nimmt man den Saft von Johannisbeeren, Himbeeren, Kirschen oder von diesen Früchten zusammen, vermischt ihn mit Wasser und Zucker, je nachdem man die Grütze mehr oder weniger stark haben will. Hierin kocht man Reismehl, Sago oder Amidam und zwar nach dem Verhältnis, daß 2 Liter Flüssigkeit 270 gr Reismehl, 110 gr. Amidam oder 270 gr Sago erfordert. Zu sehr starker Grütz ist das Verhältnis so, daß auf 1 Liter Saft 1 Liter Wasser, 270 gr Sago und 140 gr Zucker genommen werden oder zu 100 gr Amidam und 140 gr Zucker 1 Liter Saft und der Amidam nur in Wasser angerührt; oder man nehme Maizena. Das Verhältnis ist 190 gr zu 2 Liter Flüssigkeit. Sagomehl ist auch für diesen Zweck bliebt, auf 1 Liter Flüssigkeit 70-80 gr Sagomehl. 
Auch von anderen Früchten kann in ähnlicher Weise Grütze gekocht werden, z.B. Brombeeren, Bickbeeren, doch geben erstere allein zu wenig Säure. Wohlschmeckend ist auch eine solche Grütze aus unreifen Stachelbeeren oder Aepfeln, indem man diese in Wasser gar kocht und durch ein Sieb gießt, etwas Citronenschale und Kaneel [Zimt] zum Duchkochen thut. Aehnlich kocht man Grütze von ungeschälten Aepfeln, doch giebt man sie lieber nur durch einen Durchschlag. Ist die Grütze gar, so thut man sie in eine angefeuchtete oder mit feinem Oel bestrichene Form oder Affiette zum Kaltwerden und wenn angerichtet werden soll, kippt man sie auf eine Schüssel um.
[…] Man ißt Milch-, Wein- oder Bier-Kaltschale, auch warme und kalte Bickbeeren- oder Kirschensuppe dazu.“

Johanna Kuß, Die Holsteinische Küche oder Anleitung zur Führung des Hausstandes in einer Anzahl auf Erfahrung begründeter, bewährter Anweisungen. Herausgegeben von Johanna Kuß. Elfte Auflage Haendcke und Lehmkuhl Hamburg 1878, Seite 220-221 (AM Nd 83)

 

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