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Aal

Aal

Aal war über Jahrhunderte der „Brotfisch“ der niedersächsischen Binnenfischerei. An Weser, Elbe, Steinhuder Meer oder Zwischenahner Meer sicherte der Aal die Existenz der Fischer. Diese lebten nicht nur vom Verkauf der frisch gefangenen Fische, sondern sie veredelten den Aal insbesondere dadurch, dass sie ihn im Räucherofen über Erlen- oder Buchenholz räucherten und ihn so zu einer überregional berühmten Delikatesse machten. Rund um den fettreichen und nahrhaften Fisch sind viele regionale Rezepte und Bräuche entstanden. Zu den bekanntesten gehört der "Smoortaal", der rund um das Zwischenahner Meer im Ammerland verzehrt wird und heute besonders bei Touristen beliebt ist. Zu einem typischen Smoortaalessen gehört vor und nach dem Aal der Ammerländer Löffeltrunk. Dabei wird zunächst ein klarer Weizenkorn aus dem Zinnlöffel getrunken, wobei der Löffel unbedingt in der linken Hand gehalten werden muss. Danach zieht man dem geräucherten Aal die Haut ab und isst ihn mit den Fingern. Nach dem Aalessen gibt es wieder einen Schnaps aus dem Zinnlöffel.

Die berufsmäßige Aalfischerei in Flüssen und Seen ist nur noch für wenige heimische Betriebe lohnend. Heute wächst der Aal auch in geschlossenen Kreislaufsystemen, den Aalfarmen, heran. Ein typisches Aalgericht oder auch nur ein Räucheraalbrötchen auf die Hand sollte man sich auf jeden Fall schmecken lassen!

Foto: Fotolia

 

Ammerländer Löffeltrunk

Ammerländer Löffeltrunk wird nach dem "Smoortaal-Essen" oder in einer größeren geselligen Runde getrunken. Für die Zeremonie muss der Zinnlöffel mit der linken Faust umschlossen sein. Gastgeber und Gast sprechen einen traditionellen Trinkspruch aus.

Historische Quelle:

„Aal blau zu kochen. Man läßt den Aal, nachdem man ihn rein abgewaschen, einige Augenblicke in heißem Wasser liegen, schrapt (schabt) alsdann mit einem Messer alle Unreinigkeiten rein von demselben ab; man muß jedoch den Aal nicht lange in heißem Wasser liegen lassen, sondern gleich wieder heraus ziehen, und versuchen, ob sich die Unreinigkeit gut abschaben läßt. Ist dies nicht der Fall, so kann man ihn noch einmal hinein tauchen. Läßt man ihn zu lange in heißem Wasser liegen, so wird der Aal steif, und verliert allen Geschmack. Ist er auf diese Art gereinigt, so nimmt man ihn aus, und schneidet ihn in fingerlange Stücke, besprengt ihn mit Weinessig und Salz, und kocht ihn in Salz. Essig und Wasser. (2 Theile Wasser, 1 Theil Essig.) Wenn man ihn abgeschäumt hat, wirft man einige Lorbeerblätter, Citronenschale, ein Dutzend ganze Körner schwarzen Pfeffer und 3 Dutzend Körner Nelkenpfeffer dazu hinein, und kocht ihn vollends gahr, (etwa eine Viertelstunde). Man giebt ihn warm oder auch kalt zu Tische, und giebt im ersten Falle eine Cappernsauce, im letztern, Pfeffer, Essig und Oel dazu.“

Bremisches Koch- und Wirtschaftsbuch enthaltend eine sehr deutliche Anweisung wie man Speisen und Backwerk für alle Stände gut zubereiten könne. Für junge Frauenzimmer welche ihre Küche und Haushaltung selbst besorgen und ihre Geschäfte und mit Nutzen betreiben wollen. Herausgegeben von B.G. [Betty Gleim 1781-1827], Johann Heinrich Müller Bremen und Aurich o.J. [um 1800], Seite 139-140

 

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