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Buchweizen

Buchweizen

Zu Grütze gekocht oder vermahlen als Mehl waren Buchweizenkörner ein Grundbestandteil der bäuerlichen Küche in ganz Niedersachsen. Buchweizen ist, anders als der Name vermuten lässt, kein Getreide, sondern ein Knöterichgewächs. Früher wuchs Buchweizen sehr gut auf den kargen Moor- und Heideböden Niedersachsens. Er konnte schon nach ca. drei Monaten geerntet werden. Buchweizenkörner haben einen sehr hohen Eiweißgehalt und sind damit besonders gesund.

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Historische Quellen:

„Eine Erfahrung vom Buchweizen. Ich habe die Gelegenheit gehabt, mit dem Buchweizen, ohne den geringsten Gedanken darauf gehabt zu haben, eine besondere Probe zu machen. Ich ließ im Jahr 1777 auf einem Acker, der außer aller Gahrde war, die Hälfte des Düngers fahren, der sonst ganz darauf gehöret, wenn er mit Rocken oder Weizen bestellet werden soll. Diesen ließ ich darauf mit Buchweizen, der hier sonst auf mageres, oder doch nicht frisch gedüngtes Land gesäet wird, bestellen. Weil aber ein anhaltendes Regenwetter einfiel, so war er ungewöhnlich spät, und zwar erst am 30ten Mai ausgesäet. Ein jeder prophezeihete, der Buchweizen würde in eins fortblühen und nicht reif werden. Allein was geschahe? Der Buchweizen wurde nicht durch die Nachfröste oder Reif im Wachsthum gehindert, er wuchs ziemlich hoch ins Stroh, und blühete glücklich ab, als anderer schon gemähet ward. Er setzte reichlich Korn an, und das Korn war fürtreflich ausgewachsen und groß geworden. Nun aber, wenig Tage vorher, da er gemähet werden solte, entstand ein heftiger Sturm, der allenthalben vielen Schaden anrichtete, viele Häuser abdachete und große Bäume aus der Erden riß. Verschiedene mit denen ich redete, erinnerten sich meines Buchweizens und beklagten mich deshalbs. Ich gestehe gerne, daß ich selbst nicht anderes glaubte, als daß alles verloren sey, und der Wind ihn insgesammt würde ausgeschlagen haben. So bald sich der Sturm gelegt hatte, ging mein erster Weg zum Buchweizen. Hier fand ich zum größten Erstaunen, aber auch zu meinem nicht geringen Vergnügen gerade das Gegentheil. Denn weil er wegen des Düngers etwas geil aufgewachsen war, so hatte gleich der erste Windstoß ihn geknickt, und er lag auf dem ganzen Acker platt hingestreckt, dergestalt, daß ihn der Wind nichts weiter anhaben konte. Ich leugne nicht, daß mein Buchweizen bei dem ersten Windstoß nicht ebenfalls etwas solte gelitten haben: aber gewiß bei weitem nicht so viel, als anderer, der in Hoken stand, und auf dem Felde herum und durcheinander geworfen war. Und über dem hatte ich den Vortheil, daß ich nach überstandener übler Witterung meynen Buchweizen in den Hoken gehörig austrocknen lassen konte, da andere Ihn ziemlich feuchte eingefahren hatten. Doch das waren zufällige Dinge. Ich habe mir indessen daraus die Regel genommen, meine Aecker, die ich künftig mit Buchweizen bestellen werde, allemal mit etwas Dünger überfahren zu lassen.“ 

Johann Heinrich Plate, Pastor in Beverstedt und Probst in Bremervörde über den Anbau von Buchweizen im Elbe-Weserdreieck. In: Hannöverisches Magazin, worin kleine Abhandlungen, einzelne Gedanken, Nachrichten, Vorschläge und Erfahrungen, so die Verbesserung des Nahrungs-Standes, die Land- und Stadt-Wirthschaft, Handlung, Manufacturen und Künste, die Physik, die Sittenlehre und angenehmen Wissenschaften betreffen, gesamlet und aufbewahret sind
Hrsg.: A.C. v. Wüllen, Hannover, 1780, Spalte 1515-1517

Der Buchweizen
Ein Märchen von Hans Christian Andersen

Häufig, wenn man nach einem Gewitter an einem Acker vorübergeht, auf dem Buchweizen wächst, sieht man, daß er ganz schwarz geworden und abgesengt ist; es ist gerade, als ob eine Feuerflamme über ihn hingefahren wäre, und der Landmann sagt dann: “Das hat er vom Blitze bekommen!” Aber warum bekam er das? Ich will erzählen, was der Sperling mir gesagt hat, und der Sperling hat es von einem alten Weidenbaume gehört, der bei einem Buchweizenfelde steht. Es ist ein ehrwürdiger, großer Weidenbaum, aber verkrüppelt und alt, er ist in der Mitte geborsten, und es wachsen Gras und Brombeerranken aus der Spalte hervor; der Baum neigt sich vornüber, und die Zweige hängen ganz auf die Erde hinunter, gerade als ob sie langes, grünes Haar wären.
Auf allen Feldern ringsumher wuchsen Korn, Roggen, Gerste und Hafer, ja der herrliche Hafer, der, wenn er reif ist, gerade wie eine Menge kleiner, gelber Kanarienvögel an einem Zweige aussieht. Das Korn stand gesegnet, und je schwerer es war, desto tiefer neigte es sich in frommer Demut.
Aber da war auch ein Feld mit Buchweizen, und dieses Feld war dem alten Weidenbaume gerade gegenüber. Der Buchweizen neigte sich durchaus nicht wie das übrige Korn, sondern prangte stolz und steif.
“Ich bin wohl so reich wie die Ähre”, sagte er; “überdies bin ich weit hübscher; meine Blumen sind schön wie die Blüten des Apfelbaumes; es ist eine Freude, auf mich und die Meinigen zu blicken! Kennst du etwas Prächtigeres als uns, du alter Weidenbaum?”
Der Weidenbaum nickte mit dem Kopfe, gerade als ob er damit sagen wollte: “Ja, freilich!” Aber der Buchweizen spreizte sich aus lauter Hochmut und sagte: “Der dumme Baum, er ist so alt, daß ihm Gras im Leibe wächst!”
Nun zog ein schrecklich böses Gewitter auf; alle Feldblumen falteten ihre Blätter zusammen oder neigten ihre kleinen Köpfe herab, während der Sturm über sie dahinfuhr. Aber der Buchweizen prangte in seinem Stolze.
“Neige dein Haupt wie wir!” sagten die Blumen.
“Das ist durchaus nicht nötig”, erwiderte der Buchweizen.
“Senke dein Haupt wie wir!” rief das Korn. “Nun kommt der Engel des Sturmes geflogen! Er hat Schwingen, die oben von den Wolken bis gerade herunter zur Erde reichen, und er schlägt dich mittendurch, bevor du bitten kannst, er möge dir gnädig sein!”
“Aber ich will mich nicht beugen!” sagte der Buchweizen.
“Schließe deine Blumen und neige deine Blätter!” sagte der alte Weidenbaum. “Sieh nicht zum Blitze empor, wenn die Wolke birst; selbst die Menschen dürfen das nicht, denn im Blitze kann man in Gottes Himmel hineinsehen; aber dieser Anblick kann selbst die Menschen blenden. Was würde erst uns, den Gewächsen der Erde, geschehen, wenn wir es wagten, wir, die doch weit geringer sind!”
“Weit geringer?” sagte der Buchweizen. “Nun will ich gerade in Gottes Himmel hineinsehen!” Und er tat es in seinem Übermut und Stolz. Es war, als ob die ganze Welt in Flammen stände, so blitzte es.
Als das böse Wetter vorbei war, standen die Blumen und das Korn in der stillen, reinen Luft erfrischt vom Regen, aber der Buchweizen war vom Blitz kohlschwarz gebrannt; er war nun ein totes Unkraut auf dem Felde.
Der alte Weidenbaum bewegte seine Zweige im Winde, und es fielen große Wassertropfen von den grünen Blättern, gerade als ob der Baum weine, und die Sperlinge fragten: “Weshalb weinst du? Hier ist es ja so gesegnet! Sieh, wie die Sonne scheint, sieh, wie die Wolken ziehen! Kannst du den Duft von Blumen und Büschen bemerken: Warum weinst du, alter Weidenbaum?”
Und der Weidenbaum erzählte vom Stolze des Buchweizens, von seinem Übermute und der Strafe, die immer darauf folgt. Ich, der die Geschichte erzähle, habe sie von den Sperlingen gehört.
Sie erzählten sie mir eines Abends, als ich sie um ein Märchen bat.

 

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