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Rotes Höhenvieh (Harzer)

Rotes Höhenvieh (Harzer)

Das Rote Höhenvieh war über Jahrhunderte die einheimische Rinderrasse im Harz. Die robuste, widerstandsfähige Mittelgebirgsrasse wurde allmählich von Hochleistungsrassen verdrängt. Die Tiere lieferten neben Fleisch und Milch auch Zugkraft. Heute wird die Rasse vor allem in der Pflege der Kulturlandschaft im Harz neu entdeckt. Feinschmecker schätzen auch die exzellente Fleischqualität der Rasse.

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Historische Quellen:

„Natürlich aber hat es auch eine seit alten Zeiten im Harze einheimische Rinderrace gegeben, und diese wird, trotz aller Beimischungen von außen her, in der Hauptsache auch noch wohlimmer dieselbe sein. Sie hat von einem Ende des Gebirges zum anderen dieselbe Farbe, dieselbe Figur und dieselbe Größe. Ihre Farbe ist durchweg, wie die Harzer sich ausdrücken, „einhaarig“ und zwar braunroth. Man sieht nie und nirgends ein schwarzes, weißes oder geflecktes Rind. Und manche finden diese Einfarbigkeit einer großen Harzer Heerde, wie ein russischer Kavallerie-Oberst die Einfarbigkeit seines Regiments, sehr ansprechend. Ihr Körperbau ist gefällig und wohlproportionirt. Sie sind dabei stark und rasch in ihren Bewegungen, sehr gesund und sehr dauerhaft. Ihre Hörner stehen weit auseinander und ihre Hufe sind fest und hart, wie die Hufe der Hirsche, nicht so breit wie bei den niederelbischen Marschthieren. Das Vieh aus den Ebenen kann man im Gebirge nicht brauchen, es vermag die rauhen, „unruhigen“ Wege der Bergkühe nicht zu wandern, und geräth einmal ein solches Landthier zwischen diese, so geht es zu Grunde oder es muß bald wieder heimgeschickt werden. Auch in allen den Harz umliegenden Städten findet man durchweg diese braunrothe Harzviehrace. Denn diese Städte habe ihre Hauptweideberechtigungen in den Wäldern des Gebirges, dagegen in den Ebenen ihren Ackerbau. Sie können daher kein Landvieh brauchen und kennen auch, wie das Innere des Harzes, keine Stallfütterung Nur im harten Winter natürlich müssen sie ihre Thiere zu Hause behalten. Und um sie da durchzuwintern, cultivieren se de Wiesen in der Näh ihrer Ortschaften.“ 

J.G. Kohl, Deutsche Volksbilder und Naturansichten aus dem Harze. Carl Rümpler Hannover 1866, Seite 197-199  (Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky Hamburg A/205762)

Quelle:
„Rotviehrassen gibt es in vielen Ländern Europas. Während die Rassen im Norden (Angler, Rotes Dänisches Milchvieh), in Großbritannien (Red Poll) und in Italien starke Eigenständigkeit besaßen, wurden in einem mittleren Bereich von West (La Rouge Flamande in Frankreich) nach Ost (Rotes Steppenvieh in Rußland) immer wieder Zuchttiere ausgetauscht. In der Regel im Mittelgebirge gehalten, geht es auf meist zierliche Landschläge zurück. In Deutschland kannte man: Westfälisches Rotvieh, Odenwälder Rotvieh, Harzer Rotvieh, Vogelsberger, Vogtländer, Schlesisches Rotvieh sowie Oberpfälzer Rotvieh, die bis auf  das Harzer Rotvieh Rind und das Vogtländer Rind in der Nachkriegszeit untergegangen sind. Schon 1911 wurde der Verband Mitteldeutscher Rotviehzüchter gegründet, später zum Verband Deutsche Rotviehzüchter erweitert. Nach dem 2. Weltkrieg wurden alle Rassen durch Angler nahezu verdrängt. Fast alle Kühe mit nennenswerten Blutanteilen des Harzer Rotviehs wurden in den letzten Jahren den Vogelsbergern eingegliedert. Dort hält sich eine kleine Population, vom 1985 gegründeten `Verein zur Förderung und Erhaltung des Roten Höhenviehs e.V.´ betreut. Jetzt nahezu identisch mit dem Vogelsberger Rind.“

Hans Hinrich Sambraus, Atlas der Nutztierrassen. 250 Rassen in Wort und Bild. 4. erweiterte Auflage, Verlag Eugen Ulmer Stuttgart 1994, Seite 46

 

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