Klüten

Klüten

In Ostfriesland nennt man kleinere Klöße jedweder Art "Klüten". Sie können aus Hefeteig, Grieß oder diversen Mehlen, z. B. Weizen- oder Buchweizenmehl, für süße und herzhafte Speisen zubereitet werden. Sie dienen als Beilage oder als Einlage in Suppen. "Grote Klüten" sind Klöße aus eingeweichten Semmeln, Hefe und Eiern. Bei "Klüten un Plumen" handelt es sich um ein süß-deftiges Gericht, bei dem Mehlklößchen in einer angedickten Soße mit Speck und Backpflaumen serviert werden.

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Historische Quellen:

Klüten
„Einen gebakkenen Püdding zumachen. Nehmet wohlgeschlagene Eier, ein Qvartier frischen Rahm, so viel des besten Weizenmehls, bis es dikke wird, ein wenig Salz. Gib es alsdann in einen Leinenbeutel, laß es anderthalb Stunden sieden, und unter dem sieden offt umdrehn. Hernach kann man es backen, und geschmolzene Butter darüber geben, oder auch wol ungebakken so warm aufsetzen.“

Maria Sophia Schellhammer, Die wohl-unterwiesene Köchinn: Das ist: Unterricht, wie man alle Speisen, so nur in Teutschland bekannt seyn mögen aufs füglichste zubereiten:  schmakhafte Suppen, Potagen, Pasteten, Tarten und allerhand Gebakkenes machen nach der jetzt üblichen Art auftragen und anbringen, auch Fleisch Fische Gartenfrüchte und andere Sachen &c. wol einmachen dürren oder verwahren sollte, samt vielen bisher wenig bekannten Kunstgriffen so in er Koch-Kunst ihren sonderbaren Nutzen haben, Gruber Braunschweig 1697, Seite 395. Zitiert nach Günter Wiegelmann, Alltags- und Festspeise in Mitteleuropa. Innovationen, Strukturen und Regionen vom späten Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Münsteraner Schriften zur Volkskunde/Europäischen Ethnologie Band 11, 2006, Seite 193

Grote Klüten, Klump
„Die gewöhnliche Speise der Einwohner dieses Ländchens, wes Standes und Würden sie auch seyn mögen, sind sehr oft große Waitzen, auch wohl von anderen Niedlichkeiten zubereitete Klumpe, oder wie man hier solche nennet, Klütchens“.

Der Reisende J.P. Willebrand sah derartige Mehlklöße 1758 im Land Hadeln, Historische Berichte und practische Anmerkungen auf Reisen in Deutschland und anderen Ländern, Leipzig 1769, Seite 88. Zitiert nach Günter Wiegelmann, Alltags- und Festspeise in Mitteleuropa. Innovationen, Strukturen und Regionen vom späten Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Münsteraner Schriften zur Volkskunde/Europäischen Ethnologie Band 11, 2006, Seite 191

Klüten un Plumen (Mehlklöße in angedickter Sauce mit Speck und Backpflaumen)
„1 Pfund durchwachsener Speck im Stück, 1 Pfund Backpflaumen, Zucker, Essig, etwas Stärkemehl. In wenig Wasser müssen Sie den Speck (im ganzen Stück!) kurze Zeit kochen, Dann geben Sie die über Nacht eingeweichten Backpflaumen dazu, schmecken mit Zucker und Essig pikant ab und dicken das Gericht ein wenig mit Stärkemehl an. Für die Klüten kochen Sie die Butter mit Milch zusammen auf, geben das Mehl dazu und rühren solange, bis sich die Masse vom Topf löst. Nehmen Sie den Topf vom Herd, lassen Sie den Teig erkalten, rühren Sie dann ein Ei und die Gewürze hinein, stechen Sie die Klöße aus und kochen sie wie üblich gar.“

Maria Elisabeth Straub, Grönen Aal und Rode Grütt. Von Tafelfreuden und Trinksitten an der Waterkant. LN-Verlag Lübeck 1971, Seite 40 (DLM Meldorf o.S.)

 

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