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Braunschweiger Mumme

Braunschweiger Mumme

Mumme ist ein dickflüssiges Malzextrakt aus dem früher alkoholhaltige Biere gebraut wurden. Die "Braunschweiger Mumme" ist eines davon. Legenden und Anekdoten ranken sich rund um die Geschichte dieser Biersorte, die bis ins Spätmittelalter zurück reicht. Eine davon ist die sogenannte Mummeprobe mit der die Konsistenz der Flüssigkeit geprüft wurde: Es wurde etwas Mumme auf einen Schemel gegossen und es setzte sich jemand darauf. Blieb die Person am Schemel "kleben" war die Mumme gut.

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Historische Quellen:

„Braunschweigische Mumme, ein gar starckes Hopffen-Bier, so aus gebranntem Matlze gebrauen wird. Man lässet selbiges mit dem Maltz und Hopffen gar lange kochen, und währendem Kochen wird es beständig gerühret; daher es denn sehr saturirt und starck wird. Es ist dieses Bier zuerst in einem nahe an dem alten Petes-Thore in selbiger Stadt gelegenen Hause gebrauet worden, und zum Andencken dessen, ist an selbigem Hause eine ausgehauene Statue eines Mannes, der ein Glas in der Hand hält, zu sehen. Weil nun dieses neue Bier gut befunden worden, hat es der Erfinder gewaget, und davon einen Theil über See gesendet, und endlich würcklich einen Handel damit nach Holland und nach England angeleget; Daher er denn nicht allein eine Vertebram von einem Wallfisch zum Wahrzeichen dieser seiner Reisen, an sein Haus hencken lassen, sondern es wird auch noch heutiges Tages die beste Mumme Schiff-Mumme genennet, weil sie in Schiffen über die See geführet worden, und noch wird. Der größte Handel damit ist ohne Zweifel geschehen zu denen Zeiten, da der Hanseatische-Bund und die Hanse-Städte, von welchen Braunschweig bekannter massen auch eine gewesen, in ihrem Flor waren; nachgehendes ist aber selbige immer mehr und mehr gefallen, so daß heutiges Tages nichts mehr, als der Schatten von dem vorigen Handel vorhanden ist. Man findet von der Mumme eine Nachricht in dem dritten Theil der Schatz-Kammer rarer und neuer Curiositäten: Allein die Manier, selbige zu brauen, die darinnen beschrieben wird, ist sehr falsch, indem ordentlicher Weise gar kein Bohnen-Mehl und Kräuter mit dazu genommen werden; doch pflegen einige wohl ein und anders Faß Kräuter-Mumme mit bittern und wieder den Scharbock dienlichen Speciebus zu machen; solches geschiehet aber selten.[…]“

Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste hrg. von Johann Heinrich Zedler, Band 4, Halle und Leipzig 1732, Spalte 1166

„Mumme, ist ein braunes Bier, so in Braunschweig gebrauet wird"

siehe Bier, im III. Bande p. 1791. Ingleichen Braunschweigische Mumme, im IV. Bande p. 1166.

Mumme (Schiff-) Die sogenannte Schiff-Mumme ist die beste, massen sie sich vor der Stadt-Mumme auf dem Wasser wohl hält, und weit und lange ohne Anstoß oder Verderben führen läßt.
Zu dieser sollen die Braunschweiger zwey ihrer Wispel recht wohl gewachsen und gedörret Gersten-Maltz nehmen, selbiges mit genugsamen Wasser in der Brau-Pfanne bey fünff Viertel-Stunden lang kochen, solches daraus in einen Bottich schöpffen, ein wenig stehen lassen, und alsdenn wieder, iedoch ohne das Maltz, in die Pfanne giessen, und abermal bey drey Stunden lang mit funffzehn Himpen guten Land-Hopffen darinnen wohl kochen, hernach aber selbiges in einem Bottiche erkalten, und gebührender massen darinnen vergähren lassen. Zur gemeinen Stadt-Mumme, die man bald wegtrinckt, nehmen sie auf so viel Gersten-Maltz nur vier Himpen Hopffen, und verfahren damit wie bey dem vorigen; doch wenn sie lange liegen soll, nehmen sie zehen Maaß Hopffen dazu.
Zu ihrem Erndte-Bier brauchen sie auf zwey Wispel Gersten-Maltz, zwölff Maaß Hopffen, kochen es mit genugsamen Wasser auf vorige Art und Weise, und lassen es abgähren, spünden die Fässer hernach zu, und verkauffen es denen Bauern zur Erndte-Zeit.“

Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste hrg. von Johann Heinrich Zedler, Band 22, Halle und Leipzig 1739, Spalte 752

 

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