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Sienbohnsupp

Sienbohnsupp

Sienbohnsupp, die Ostfriesische Bohnensuppe, hat nichts mit einer Suppe und nichts mit Bohnen zu tun. Sienbohnsopp sind in Branntwein eingelegte Rosinen. Sie wird in Ostfriesland auf Hochzeiten und Kindstaufen in henkellosen Tassen und mit Teelöffeln serviert.

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Historische Quelle:

„In Ostfriesland ist bei allen größeren Feiern, wie Taufe, Hochzeit; Jubiläum usw., die Sienboonsopp ein beliebtes Getränk. Zum besseren Verständnis sei vorausgeschickt, daß `Boonsopp´ (Bohnensuppe) ein in Ostfriesland ungemein geschätztes Gericht ist, so daß dieses Wort beinahe als stehender Ausdruck für Suppe überhaupt gelten kann. `Sienboonsopp´ bedeutet nun, daß zu dieser Suppe – statt der Bohnen – diesmal `Sientjes´ , d.h. Rosinen genommen werden. Aber auch sonst hat dieses Getränk mit `Boonsopp´ nichts als die Terrine gemeinsam; es besteht nämlich aus Rosinen, die mit Branntwein (oder Arrak) angesetzt werden. Das Ganze süßt man mit Zucker und bringt es, wenn es gut durchgezogen ist, mit der Terrine auf den Tisch. Nun wird ein `Släf´, das heißt eine Suppenschöpfkelle, herumgereicht, die sich jeder aus der Terrine füllt und auf das Wohl des Täuflings, des jungen Paares  oder des Jubilars leert. Der `Släf´ macht so lange die Runde, bis alles alle ist. Keiner darf übergangen werden oder sich überschlagen lassen, das wäre eine arge Beleidigung für den Gastgeber. Wenn dann eine solche Terrine leer ist, hat die Gesellschaft natürlich beste Laune, um nicht zu sagen, sie ist `duhn´, was soviel bedeutet wie: angeheitert. Ohne daß man männiglich duhn gewesen ist, gilt kein Fest als Feier als gelungen. Es gibt sogar Gastgeber, die von einer Hochzeitsfeier in ihrem Hause mit Stolz erzählen, ihre Gäste seien `tweemal duhn west´. In neuer Zeit hat sich die Sitte des `Sienboonsopp´-trinkens allerdings vielfach in der Weise geändert, daß die Rosinen mit Branntwein und Zucker in ein Weinglas oder in Ermangelung eines solchen in ein `Koppke´, das ist eine Obertasse, gefüllt und so dem Gaste vorgesetzt werden, so daß der alte Brauch  des gemeinsamen Umtrunks fortfällt. Dadurch hat natürlich die Sitte an Urwüchsigkeit eingebüßt, auch der Geschmack des Getränks ist nicht mehr so gut, weil es ja nicht durchgezogen ist. So trägt es in dieser Form denn auch nicht mehr den alten Namen `Sienboonsopp´, sondern wird nun `Brannwienskoppke´ genannt.“

Hans W. Fischer, Das Leibgericht. Die Lieblingsspeisen der Deutschen, ihre Gaumengelüste, Magenfreuden und Schmankerln mit Kochanweisungen, Bräuchen und Gewohnheiten. Hoffmann und Campe Hamburg 1955, Seite 157 (SUB HH A 1955/P209)

 

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